Was ist ein Knochenmarködem (KMÖ)?

Das Knochenmarködem ist eine schmerzhafte Flüssigkeitsansammlung im Knochenmark und wird auch als eine transiente Osteoporose bezeichnet. Es entsteht bei einer Störung des Knochenstoffwechsels und/oder bei einer Störung der Knochendurchblutung. Die Erkrankung fällt in den Zuständigkeitsbereich von Orthopäden.

Ursachen des Knochenmarködems

Bis dato sind die Ursachen nicht eindeutig geklärt. Sehr wahrscheinlich ist eine mechanische Überbelastung bei einem Trauma oder bei wiederkehrender Über- und Fehlbelastung des Knochens, z.B. durch eine Wirbelsäulenfehlhaltung oder durch eine Fehlstellung der Gelenke oder der Beinachse.

Weitere Ursachen für das Entstehen eines Knochenmarködems kann eine Reaktion des Knochens auf andere Erkrankungen sein, wie z.B. Entzündungen, ein Knochenbruch oder eine Prellung. Auch kann eine Minderdurchblutung des Knochens die Ursache sein. Eine Minderdurchblutung des Knochens kann entweder durch einen verminderten Blutzufluss oder durch einen verminderten Blutabfluss entstehen. Eine gefährliche Folge der Störung des Blutflusses und somit des Knochenmarködems kann die Osteonekrose bzw. Knochennekrose sein, also das Absterben des Knochens mit Einbruchgefahr!

Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes können die Entstehung des Knochenmarködems begünstigen.

Knochenmarködeme treten vermehrt ab dem 30. Lebensjahr auf und Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Zusammengefasst ergeben sich mögliche Ursachen:

  • Fehl- und Überbelastung
  • Trauma/Sturz/Prellung/Fraktur
  • Störung der Knochendurchblutung (arteriell oder venös)
  • Entzündungen
  • Begleiterscheinungen anderer Erkrankungen (Diabetes und andere Stoffwechselstörungen, Arthrose, Rheuma)

Wo kann man ein Knochenmarködem bekommen?

Ein Knochenmarködem diagnostiziert man am häufigsten im Bereich der Hüfte, Knie, Fuß, Schulter oder Wirbelsäule. Im Prinzip kann das Knochenmarködem in fast jedem Knochen des Menschen auftreten.

Mögliche Lokalisationen:

  • Hüfte: Hüftkopf, Trochanter, Acetabulum
  • Knie: distaler Oberschenkel, proximaler Unterschenkel, Femurkondyle
  • Fuß und Sprunggelenk: Fersenbein, Talus, Mittelfußknochen
  • Schulter: AC Gelenk, Humeruskopf, Schlüsselbein
  • Wirbelsäule: LWS (Lendenwirbelsäule), BWS (Brustwirbelsäule), HWS (Halswirbelsäule)
  • Becken: Schambein, Sitzbein, Kreuzbein
  • Hand: Handwurzelknochen, Finger

Symptome des Knochenmarködems:

Am Anfang zeigen sich belastungsabhängige Schmerzen in der betroffenen Region. Ein Klopfschmerz und eine lokale Überwärmung können auf ein Knochenmarködem hindeuten. Infolge der vermehrten Flüssigkeitsansammlung im betroffenen Knochen kommt es zu einer Druckerhöhung und dadurch zu starken Schmerzen. Im weiteren Verlauf kommt es auch zu Ruhe- und Nachtschmerzen. Oft berichten Patienten, dass sie aufgrund der starken Schmerzen gar nicht einschlafen oder durchschlafen können. Der Nachtschlaf ist massiv gestört. Dadurch ist man tagsüber nicht mehr so leistungs- und belastungsfähig und durch den beinahe Dauerschmerz kommt es auch zunehmend zur Einschränkung der Mobilität. Haushaltsarbeit und Sport werden zunehmend eingeschränkt und in schweren Fällen gar nicht mehr möglich. Bald zeigt sich der Schmerz als therapieresistent da herkömmliche Schmerzmittel kaum Besserung bringen.

Diagnose des Knochenmarködems:

Die Diagnostik der Wahl ist eine MRT der betroffenen Region mit STIR Sequenz. Röntgenbilder sind bei Knochenmarködemen in der Regel unauffällig außer man ist schon im fortgeschrittenen Stadium. Dann zeigen sich typische radiologische Veränderungen, wie z.B. bei einer beginnenden Osteonekrose.

Nach der Association Research Circulation Osseous gibt es vier Stadien:

  • Stadium I: Knochenmarködem
  • Stadium 2: Osteonekrose mit Veränderungen im Röntgen
  • Stadium 3: Subchondrale Fraktur im Röntgenbild
  • Stadium 4: Zusätzlich arthrotische Veränderungen

Therapie des Knochenmarködems:

Die Therapie wird individuell auf den Patienten und nach Lokalisation und Schmerzstärke angepasst!

Einerseits kann eine durchblutungsfördernde Infusion (Wirkstoff: Iloprost) notwendig sein im Rahmen eines fünftägigen Krankenhausaufenthaltes, da Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Blutdruckschwankungen auftreten können. Iloprost ist ein Prostazyklin-Analogon (Handelsname: Ilomedin) welches gefäßerweiternd wirkt. Andererseits sollte eine Entlastung für mindestens 4 Wochen in der betroffenen Region erfolgen. Bei einem Knochenmarködem in der Hüfte oder im Knie ist eine Entlastung mittels Unterarmgehstützen zu empfehlen. Bei älteren und gangunsicheren Patienten kann ein Leihrollstuhl oder ein Rollmobil in Erwägung gezogen werden, um einen Sturz zu verhindern. Ist der Fuß die betroffene Region kann ein Vorfuß- oder Rückfußentlastungsschuh notwendig sein. Falls sich das Knochenmarködem im Bereich der Wirbelsäule befindet, wird ein Mieder zur Ruhigstellung verordnet. Dieses ist mindestens für 4 Wochen bei Bewegung und Belastung zu tragen. Falls das Knochenmarködem im Schulterbereich sitzt ist ein Rucksack- oder Tornisterverband zu empfehlen. Eine absolute Ruhigstellung ist hier aber zu vermeiden, da es sonst zu einer frozen shoulder (Schultersteife) kommen kann.  Bei einer Achsenfehlstellung, z.B. X- oder O-Beine, sollte zusätzlich eine Versorgung mit entsprechenden Schuheinlagen erfolgen. Bei adipösen Patienten kann eine Gewichtsreduktion und Diätberatung langfristig die Belastung verringern und so ein neuerliches Entstehen eines Knochenmarködems verhindern.

Medikamentös sind NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) die Schmerzmittel der Wahl.

Akupunkturbehandlungen können unterstützend wirken und werden meinerseits angewandt.

Physikalische Therapiemaßnahmen wie Magnetfeldtherapie und Stoßwellentherapie können ergänzend zum Einsatz kommen. Operative Behandlungsmethoden wie z.B.  das Anbohren des betroffenen Knochens, werden zunehmend in den Hintergrund gedrängt.

Zusammenfassend die Therapien bei Knochenmarködem:

  • Entlastung
  • Infusionstherapie mit Iloprost (Ilomedin) für 5 Tage stationär
  • NSAR
  • Akupunktur
  • Physikalische Therapien
  • Behandlung von begünstigenden Erkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörung
  • Gewichtsreduktion und Diätberatung bei adipösen Patienten

Prognose und Heilungsaussichten beim Knochenmarködem

Das Knochenmarködem ist entweder selbstlimitierend oder es kommt zu einer Progression, also zur nicht-reversiblen Knochennekrose mit Fraktur. Dies gilt es zu verhindern! Umso wichtiger sind eine frühzeitige Abklärung und Therapieeinleitung.