Was ist Osteoporose?

Die Osteoporose ist eine generalisierte Skeletterkrankung mit einer Störung des Knochenstoffwechsels, die durch eine geringe Knochenmasse und eine Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochengewebes gekennzeichnet ist.  Es wird immer mehr Knochengewebe abgebaut. Somit ist der Knochen anfälliger für Brüche.

Das Wort Osteoporose leitet sich vom griechischen ab und bedeutet poröser Knochen.

Wie entsteht Osteoporose?

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Osteoporose wurde erstmals von einem Innsbrucker Pathologen beschrieben und ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter. Die Knochen befinden sich im stetigen Umbau. Bis zum 35. Lebensjahr wird mehr Knochenmasse aufgebaut als abgebaut.  Ab dem 35. Lebensjahr wird dann mehr Kochen abgebaut. Dieser Vorgang nimmt mit dem Alter noch zu.

Wird zu viel Knochensubstanz abgebaut entwickelt sich eine Osteoporose.  So verlieren wir ca. 0,5-1% unserer Knochenmasse pro Jahr. Dies ist ein normaler Alterungsprozess.

95% der Patienten haben eine sogenannte primäre Osteoporose. Sie entsteht bei Frauen nach den Wechseljahren infolge von Östrogenmangel (Östrogen schützt den Knochen) oder durch den erhöhten Knochenabbau im höheren Alter (Mann und Frau). Frauen haben im Vergleich zu Männern ein beinahe doppelt so hohes Risiko eine Osteoporose zu entwickeln.

Bei den restlichen 5% handelt es sich um eine sekundäre Osteoporose in Folge von anderen Erkrankungen oder Medikamenten.

Symptome und Folgen der Osteoporose

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Osteoporose entwickelt sich meistens langsam. Daher haben Betroffene zu Beginn oft gar keine Beschwerden. Erst im weiteren Verlauf treten Schmerzen auf, welche meistens nicht direkt auf die Osteoporose zurückgeführt werden.

Viele Patienten leiden z.B. vermehrt an Rückenschmerzen oder an sogenannten Stressfrakturen, die anfangs nur im MRT sichtbar sind und im normalen Röntgenbild nicht erkennbar sind. Andere Patienten klagen über ein „Schwächegefühl“ im Rückenbereich. Wenn die Osteoporose weiter fortschreitet, kann es zu einer Fraktur kommen, meist in Folge von Bagatellverletzungen oder gar ohne Anlass z.B. bei einer Drehbewegung, beim Wäscheaufhängen oder beim Husten.

An der Wirbelsäule entstehen häufig Sinterungsfrakturen: ein oder mehrere Wirbelkörper fallen in sich zusammen, meist im Sinne einer Deckplattenfraktur – sie verlieren an Höhe. Die Wirbelkörper verformen sich keilförmig.  Im Bereich der Bruchzone verkrümmt sich die Wirbelsäule nach vorne und verkürzt sich auch. Die unmittelbaren Folgen ist ein Rundrücken und eine Größenabnahme, der Patient wird kleiner.  Ein weiteres Symptom ist das Tannenbaumphänomen wo eine charakteristische Hautfaltung am Rücken des Patienten entsteht, was an die Form eines Tannenbaums erinnert. Auch verringert sich der Becken-Rippen-Abstand auf wenige Zentimeter. Im fortgeschrittenen Stadium berühren Becken und Rippen einander und verursachen dadurch Schmerzen.

Patienten mit Sturzneigung haben ein erhöhtes Frakturrisiko. Bei ihnen besteht meist eine Gangunsicherheit, sind weniger mobil und dadurch Muskelschwach und im Allgemeinen weniger kräftig. Im Alter reagieren auch die Schutzreflexe langsamer und die Angst zu stürzen macht die Patienten noch unsicherer. Ein Teufelskreis entsteht also.

Frakturen haben einen enormen Verlust an Lebensqualität als Folge und können den Alltag extrem einschränken. Die Betroffenen werden zunehmend immobil und dieser Aktivitätsverlust schwächt den Knochen und den Körper weiter. Knochenbrüche können die Lebensdauer verkürzen und dürfen nicht unterschätzt werden.

Risikofaktoren der Osteoporose

Folgende Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Osteoporose:

  • Lebensalter: altersbedingt verschlechtert sich die Knochenqualität
  • Geschlecht: Frauen haben ein doppelt so hohes Risiko für osteoporotische Knochenbrüche
  • Familiäre Veranlagung
  • Immobilität und Bewegungsarmut: z.B. durch längere Bettlägerigkeit
  • Reduzierte Sonnenlichtexposition
  • Vitamin D- und Kalziummangel, Folsäuremangel
  • Untergewicht: BMI (Body Mass Index) unter 20, Gewichtsabnahme und Magersucht.  Ein zu geringes Körpergewicht ist mit einer erniedrigten Knochendichte verbunden und erhöht das Frakturrisiko deutlich.
  • Rauchen
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Hoher Alkoholkonsum und alkoholbedingte Lebererkrankungen
  • Hormon- und Stoffwechselerkrankungen wie Cushing Syndrom, Schilddrüsenüberfunktion,  Diabetes mellitus Typ 1 und 2, Mangel an Wachstumshormon (Hypophysenfunktionsstörung), Schwangerschaftsassoziierte Osteoporose
  • Rheumatologische Erkrankungen: rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, Morbus Bechterew)
  • Nieren- und Magen-Darm-Erkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • Neurologische Erkankungen: Epilepsie, Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall, Depression
  • Herzschwäche/Herzinsuffizienz
  • Medikamente: Langzeittherapie mit hochdosiertem Kortison, Heparin, Marcoumar oder Magenschutz (Protonenpumpenhemmer), krampflösende Medikamente (Antiepileptika), Antidepressiva, Glitazone (bei Diabetes mellitus), Aromatasehemmer (bei Brustkrebs), Antihormonbehandlung bei Prostatakarzinom, Lithium

Präventive Maßnahmen

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Gegen die Entwicklung einer Osteoporose und Frakturen lässt sich durchaus einiges vorbeugend tun. Das Motto hier lautet „je früher, desto besser“.

Lebensstil

Bewegung und körperliche Aktivität schützen sehr gut vor Knochenschwund. Dadurch werden die knochenaufbauenden Zellen angeregt neue Knochensubstanz zu bilden. Jede körperliche Aktivität ist immer noch besser als gar keine! Empfohlen werden gewichtstragende Ausdauerübungen sowie muskelaufbauendes Training mit ausreichender Belastung des Bewegungsapparates, sogenannte „weight bearing exercises“. Die Förderung von Koordination und Kraft ist ebenso wichtig. Geeignet sind Wandern, Tanzen Gymnastik oder Krafttraining.

Daneben fördert 30 minütige Sonnenlichtexposition mit unbedecktem Kopf und Hände pro Tag die Vitamin D Produktion.

Ernährung

Durch Vitamin D wird Kalzium aus dem Darm aufgenommen und fördert den Einbau von Kalzium in den Knochen.  Es ist auch wichtig für Nerven, Muskeln, Haut und Immunsystem.  Nur wenige Nahrungsmittel enthalten ausreichend Vitamin D, wie z. B fettiger Fisch. Der Körper kann jedoch unter Einfluss von Sonnenlicht einen Großteil des täglichen Bedarfs in der Haut selbst bilden. Ich kontrolliere routinemäßig den Vitamin D Spiegel aller meiner Patienten und kann nach langjähriger Erfahrung sagen: fast alle, sofern sie nicht substituiert sind, hatten einen Vitamin D Mangel! Daher sind Vitamin D Tropfen von großer Wichtigkeit um einen Mangel vorzubeugen.

Auch Kalziumreiche Ernährung ist wichtig und es muss sichergestellt werden das genug über die Nahrung (z.B. Milchprodukte) aufgenommen wird. Ansonsten wird eine tägliche Supplementierung, also durch Nahrungsergänzung, von 1200mg Kalzium empfohlen und 800IE Vitamin D.

Sturzprophylaxe

Vermeiden Sie Stolperfallen in der Wohnung und räumen Sie diese aus dem Weg, wie etwa sperrige Möbel, herumliegende Kabel, rutschende oder umgeschlagende Teppiche. Vorsicht ist auch bei feuchten und glatten Böden geboten. Geeignetes stabiles Schuhwerk ist ebenso wichtig. Die Physiotherapie spielt hier auch eine zentrale Rolle (Sturzvorbeugungstraining wie Kraft-, Geschicklichkeits- und Gleichgewichtstraining).

Untergewicht regulieren

Bei Untergewicht, also bei einem BMI unter 20, droht sowohl eine Unterversorgung von Kalzium als auch von Geschlechtshormonen. Dies kann das Risiko einer Fraktur verdoppeln. Versuchen Sie also mit einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung ein normales Gewicht zu halten. Ein Ernährungsberater kann eine gute Hilfe dabei sein.

Diagnose der Osteoporose

Die Basisdiagnostik umfasst folgende Untersuchungen:

  • Arzt-Patienten-Gespräch: Überprüfen der Risikofaktoren, der Kranken- und Familiengeschichte, Ausschluss einer sekundären Osteoporose aufgrund möglicher Nebenerkrankungen
  • Ausführliche körperliche Untersuchung, Feststellen der Mobilität und Gangsicherheit

Die Diagnose wird durch eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) mittels DXA (Doppel-Röntgen-Absorptionsmessung) gestellt. Dies ist eine strahlungsarme Röntgenmethode und ergibt ein bestimmtes Risikoprofil. Der sogenannte T-Wert (T-Score) ist ausschlaggebend und gibt an wie weit die ermittelte Knochendichte vom Durchschnittswert abweicht. Ist der Wert unter -2, spricht man von einer Osteopenie (beginnende Osteoporose). T-Werte kleiner/gleich -2,5 spricht für das Vorliegen einer Osteoporose.  Auch zur Verlaufskontrolle kann die DXA herangezogen werden, um zu überprüfen ob die Therapie der Osteoporose wirkt. Dies geschieht nach zirka 2 Jahren. Dann kann man das weitere Procedere individuell festlegen.

Bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen unklarer Ursache sollte eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule durchgeführt werden um mögliche Wirbelkörperfrakturen (Knochenbrüche der Wirbelsäule) zu erkennen.

Eine Blutuntersuchung sollte ebenfalls gemacht werden, um etwaige Mängel festzustellen und auszugleichen.

Therapie der Osteoporose

Die Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen und wird individuell an den Patienten angepasst. Die Therapieplanung berücksichtigt die Stärke und die Ursache der Osteoporose.

Neben der Optimierung des Lifestyles gibt es auch mehrere Medikamente zur Behandlung einer Osteoporose. Medikamente, die den weiteren Knochenabbau verhindern (antiresorptiv) und Medikamente, die den Knochenaufbau fördern (osteoanabol). Es gibt auch Medikamente, die beides können.

Folgende Wirkstoffe stehen zur Verfügung:

  • Bisphosphonate – Diese Medikamentengruppe hemmen den Knochenabbau und können bei allen Formen der Osteoporose angewandt werden. Es gibt verschiedene Präparate wie z.B. Ibandronat (Handelsname: Bonviva), Alendronat, Risedronat oder Zoledronat. Bisphosphonate gibt es in Tablettenform (täglich, wöchentlich oder monatlich) oder werden mit einer Infusion verabreicht (3, 6 oder 12 monatlich).
  • Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM) – In dieser Wirkstoffgruppe ist Raloxifen zugelassen, wirkt ähnlich wie Östrogene, hemmt den Knochabbau und wird täglich als Tablette eingenommen.
  • Strontiumranelat – Dieser Wirkstoff verhindert den Knochenabbau und fördert gleichzeitig den Knochenaufbau. Die Einnahme erfolgt täglich als Pulverlösung.
  • Parathormon/Teriparatid – Teriparatid ist ein Parathormonanalgon und fördert den Knochenaufbau. Das Medikament wird einmal täglich unter die Haut gespritzt.
  • Denosumab (Handelsname: Prolia) – Hier handelt es sich um einen sogenannten monoklonalen Antikörper. Er hemmt die Entstehung und Aktivität der Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) und wird zweimal im Jahr unter die Haut (subcutan) gespritzt.

Patienten, die eine antiresorptive Therapie erhalten, ist eine ausreichende Kalziumzufuhr und Vitamin D Versorgung unbedingt erforderlich. Diese sollten immer zu oder direkt nach einer Mahlzeit eingenommen werden.