Skoliose

Was ist eine Skoliose?

Die Skoliose ist eine dreidimensionale Achsabweichung der Wirbelsäule. Für die Diagnosestellung ist die Krümmung der Wirbelsäule im frontalen Röntgenbild maßgebend. Für die Bezeichnung Skoliose muss diese Krümmung mindestens 10 Grad betragen.

Wenn man eine Skoliose im Röntgenbild diagnostiziert hat muss man zunächst nachforschen, ob es für die Skoliose eine Ursache wie z.B. eine angeborene Fehlbildungsskoliose, die aufgrund einer Fehlsegmentierung der Wirbelkörper entstehen oder neuromuskuläre Skoliosen gibt. Wenn keine Ursache feststellbar ist, spricht man von einer idiopathischen Skoliose.

Die Ätiologie der idiopathischen Skoliose ist unbekannt. Man vermutet eine multifaktorielle Ursache.

Klassifikation der Skoliose:

Die idiopathische Skoliose wird je nach Alter bei der Erstdiagnose eingeteilt.

  • infantile (unter 3 Jahre)
  • juvenile (3 bis 9 Jahre)
  • adoleszente Skoliose (10 bis 18 Jahre).

Bei den Erwachsenen spricht man von einer adulten Skoliose. Diese kann aufgrund von degenerativen Veränderungen entstehen oder aber eine fortbestehende adoleszente Skoliose sein. Die idiopathische infantile Skoliose ist extrem selten. Die Prävalenz steigt bei Schulkindern bis zu 1-2%.

Bei über 25 Jährige auf bis 8% und bei den 60-90-Jährigen auf über 60%.

Es gibt auch weiter Einteilungsmechanismen nach Höhe der Hauptkrümmung d.h. auf Höhe der Brustwirbelsäule (thorakal), Lendenwirbelsäule (lumbal) oder deren Übergang (thorakolumbal). Weitere Einteilungsmechanismen können hinsichtlich Höhe der Hauptkrümmung (thorakal, thorakolumbal, lumbal) erfolgen.

Beschwerden bei Skoliose

Die idiopathische Skoliose ist bei Kindern selten schmerzhaft. Die Skoliose fällt häufig durch einen Schulter-, oder Beckenschiefstand oder einen Rippenbuckel bzw.  Lendenwulst auf. Diese Asymmetrie ist für die Kinder meistens psychisch sehr belastend.

Erwachsene klagen häufig bei lumbaler Skoliose aufgrund von degenerativen Veränderungen über Rückenschmerzen. Bei der thorakalen Skoliose v.a. bei Krümmungen über 80 Grad klagen die Patienten häufig über respiratorische Beschwerden.

Diagnostik der Skoliose

Die Anamnese ist v.a. zur Identifizierung nicht idiopathischer Ursachen für eine Skoliose wichtig. Hierzu sind v.a. die Frage nach Herzfehlern und urologischen Beschwerden wie z.B. eine Hufeisenniere entscheidend. Es sollte nach der Familienanamnese gefragt werden. Diese könnte mögliche Hinweise auf eine Prädisposition liefern. Des weiteren ist die Frage nach Beginn der Menarche und der Wachstumsgeschwindigkeit sehr wichtig und entscheidend.

Bei der klinischen Untersuchung wird der Schulterstand sowie der Beckenstand beurteilt. Man sollte in jeden Fall eine Beinlängendifferenz ausschließen. Desweitern wird nach der Brust- und Taillensymmetrie geschaut. Im Adams-Vorneigetest bei durchgestreckten Knien wird der Patient auf ein einem Rippenbuckel bzw. Lendenwulst untersucht.

Im seitlichen Profil sollte die Wirbelsäule dreibogig sein d.h. eine Brustkyphose und eine Hals-, sowie Lendenlordose.

Die Haut sollte auf Café-au-lait Flecken untersucht werden. Diese Hautpigmentierung kann auf eine Neurofibromatose d.h. auf eine neurologische Ursache der Skoliose hindeuten.

Eine starke Behaarung im Bereich der Lendenwirbelsäule kann ebenfalls auf eine Bogenschlussstörung mit neurologischer Ursache hindeuten. Eine Lendenstrecksteife bei der Untersuchung kann auf eine Spondylolyse hinweisen. Insgesamt sollte die körperliche Untersuchung auch eine neurologische Untersuchung beinhalten. Die Diagnose der Skoliose wird in einer Wirbelsäulenganzaufnahme im aufrechten Stand gestellt. Im Idealfall sind die Beckenkämme mitabgebildet zur Beurteilung des knöchernen Wachstumsstatus. Mit dem Cobb-Winkel kann das Ausmaß der Skoliose bestimmt werden.

Die Diagnose der Skoliose wird bei einem Cobb Winkel von mehr als 10 Grad und eine Rotationsabweichung gestellt. Wenn keine Rotationsabweichung besteht könnte es sich z.B. um eine temporäre Fehlhaltung handeln. Des weiteren sollte ein seitliche Röntgenaufnahme zur Bestimmung des Wirbelsäulen-Becken Relation und des seitlichen Profils erfolgen. Ein MRT kann bei bestimmten Fragestellungen notwendig sein.

Therapie der infantilen Skoliose

Aufgrund der Seltenheit der infantilen Skoliose gibt es keinen klaren Behandlungslogarithmus. Es wird meist bei einem Cobb Winkel von über 30 Grad eine Rumpfgipsbehandlung oder eine Korsett-Therapie empfohlen. Therapieresistente Skoliosen können operativ mit einem wachstumslenkenden Verfahren behandelt werden.

Therapie der juvenilen Skoliose

Die juvenile Skoliose die spät auftritt kann entsprechend der Empfehlungen für adoleszente Skoliosen behandelt werden.

Therapie der adoleszenten Skoliose

Wenn der gemessene Cobb Winkel weniger als 20 Grad beträgt sollte eine regelmäßige Verlaufskontrolle in Abständen von 4-6 Monaten erfolgen.

Diese Kontrolle sollte in jedem Fall klinisch erfolgen und bei Bedarf auch radiologisch. Zusätzlich kann bei den Kontrollen die Ausprägung des Rippenbuckels mit einem Skoliometer überprüft werden. Dieses ist so eine Art Wasserwaage. Des weiteren kann eine Rasterstereographie angewandt werden. Hierbei wird die Rückenform mittels reflektierender Lichtstrahlen erfasst. Man kann auch bereits bei einer geringgradigen Skoliose Physiotherapie nach Schroth beginnen. Bei einer Skoliose, die einen Cobb Winkel zwischen 20 und 45 Grad vor Abschluss des Knochenwachstums beträgt, die eine Progredienz von über 5 Grad in einem 4-6 monatigen Intervall hat, wird ein Korsett empfohlen.

Das Korsett sollte einige Wochen getragen werden. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit erfolgt eine radiologische Kontrolle im Korsett. Es sollte eine mindestens 50 prozentige Aufrichtung, also Besserung, im Korsett sein. In Europa wird am häufigsten das Cheneau-Korsett, eine maßgefertigte Orthese, verordnet. Es handelt sich hierbei um eine passive Druckkorrektur.

Die Scoliosis Research Society empfiehlt v.a. das Tragen eines Korsetts für Patienten mit einer adoleszenten idiopathischen Skoliose, die sich im Risser Stadium 0–2 befinden und eine Kurve zwischen 25 und 40 Grad aufweisen. Eine Alternative zur Korsettbehandlung stellt eine wachstumslenkende Operation dar.

Bei adoleszenten Skoliosen >45 Grad wird eine operative Korrektur mit Versteifung in Betracht gezogen. Skoliosepatienten haben im Vergleich zur Normalbevölkerung eine signifikant höhere Inzidenz für Bandschiebendegenerationen unabhängig davon ob sie operiert werden oder konservativ behandelt werden.

Therapie der adulten Skoliose

Bei der adulten Skoliose ist die Therapie hauptsächlich symptomatisch. Wenn die Skoliose im höheren Alter asymptomatisch ist bedarf es keiner weiteren Therapie. Wenn die Patienten über Rückenschmerzen und/oder ausstrahlende Schmerzen in die Beine sowie über Funktionseinschränkungen klagen sollten gezielte Therapiemaßnahmen erfolgen.

Folgende konservative Therapiemaßnahmen sind möglich:

Es ist eine gute medikamentöse Einstellung der Patienten mit Schmerzmittel möglich, eine gezielte Injektionsbehandlung, Sklerosierungstherapie, Akupunktur Physiotherapie und Orthesen.

Prävention der Skoliose

Das wichtigste bei der Skoliose ist die Prävention.

Die Entstehung lässt sich zwar nicht verhindern jedoch lässt sich der Verlauf beeinflussen.

Es ist sehr wichtig die Skoliose bereits früh zu erkennen. Nur so kann man den Verlauf mit einer adäquaten Therapie positiv beeinflussen. Bei Mädchen gilt die Faustregel, dass der pubertäre Wachstumsschub nach Einsetzen der Menarche in der Regel bereits abgelaufen ist. Zirka zwei Jahre nach Einsetzen der Menarche ist das Wirbelsäulenwachstum beendet.

Ausgewachsene Patienten mit einer Skoliose von einem Cobb Winkel < 30 Grad werden als stabil betrachtet wohingegen Patienten mit einer Skoliose > 50 Grad mit einer Progredienz der Skoliose von ca. einem Grad pro Jahr zu rechnen ist.

Des weiteren ist es wichtig zu wissen, dass Patienten mit einer idiopathischen Skoliose im mittleren Lebensalter eine erhöhte Inzidenz für Bandscheibendegenerationen und Rückenschmerzen haben, unabhängig davon, ob sie konservativ oder operativ behandelt wurden.